Freitag, 20. März 2015

Du bist nicht gut genug?

Ich erinnere mich noch, wie ich vor ein paar Jahren täglich mit Schwindelgefühl aufwachte, schwach und antriebslos. Wie ich in der Dusche beinahe umkippte und mich als ich fertig war erst einmal aufs Bett legen musste, um ein wenig Kraft zu tanken. Trotzdem erlaubte ich mir nicht, mehr als eine verschwindend geringe Menge an Kalorien zu mir zu nehmen.

Wieso ich mir das angetan habe, mag man sich fragen. Nunja, ich war traurig, enttäuscht und wütend und habe all diese Gefühle an der falschen Person ausgelassen: mir selbst. Und ich glaube, dass es vielen ähnlich geht. Das Gefühl zu haben, nicht gut genug zu sein, immer wieder enttäuscht zu werden, richtungslos zu sein und egal was man tut einfach nichts richtig hinzubekommen. Das mit der Selbstliebe ist ein schwieriges Kapitel. Dauernd wollen wir uns verbessern und wir neigen dazu, uns mit anderen Menschen zu vergleichen und unrealistischen Idealen nachzueifern. Das alles sind häufig Auslöser einer Essstörung und aus diesem Grund ist es wichtig, dir bewusst zu werden: Du bist gut genug. Die folgenden Gedanken sollen dich dabei unterstützen.

Stellt niemanden auf ein Podest
Manchmal lernt man Menschen kennen und denkt: Wow. Alles an ihnen scheint makellos und sie ziehen einen mühelos in ihren Bann. Und dann lernt man sie kennen, schaut hinter die Fassade. Und auf einmal scheinen sie gar nicht mehr so perfekt. Jeder hat Unsicherheiten und ist verletzlich, davor schützt kein tolles Aussehen, oder eine in euren Augen perfekte Figur. Genauso sind diese Attribute kein Garant für einen tollen Job, oder den Traummann. Wir sind alle menschlich.

Seid dankbar für eure Erfahrungen
Wäre ich nicht depressiv und essgestört geworden, wäre ich heute ein anderer Mensch. Ich weiss nicht, ob ich besser wäre, oder schlechter, aber ich wäre nicht ich. So schlimm die Zeiten auch waren, ich bin in gewissem Sinne dankbar dafür, denn sie haben mich auch viel gelehrt, besonders in Sachen Selbstliebe. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist auf mich zu achten und das ist vielleicht die wichtigste Sache, die ich in meinem Leben gelernt habe, denn nur wenn man auf sich achtet kann man langfristig glücklich werden. Ich denke, die schwersten Zeiten sind oft die lehrreichsten.

Seid weniger streng mit euch
Ihr müsst nicht alles perfekt machen. Nicht für euch selbst, und erst recht nicht, um es anderen recht zu machen, denn wieso solltet ihr euch mit jemandem abgeben, der euch nicht so akzeptiert wie ihr seid? Das ist niemand wert. Versprochen.

Seid geduldig
Jeder hat Eigenschaften, die ihn nerven. Sich schlechter Eigenschaften bewusst zu sein ist gut, sie ändern zu wollen auch, aber seid dabei nicht zu ungeduldig. Gewohnheiten ändern sich nicht von heute auf morgen und das ist völlig in Ordnung. Seid euch stattdessen bewusst, dass ihr es versucht und euer Bestes gebt und dass das ausreichend ist. Das gilt übrigens auch für den Umgang mit psychischen Krankheiten. Rückfälle sind völlig normal und so nervig sie auch sein mögen, es ist okay und Teil des Heilungsprozesses.

Kommentare:

  1. Liebe Jeanne, herzlich willkommen in meinen Blog(s) - es freut mich, dass dir meine Bilder gefallen. :)

    Vielen Dank und auch für dich natürlich alles Gute! :)

    Deinen Beitrag finde ich gut geschrieben und so wahr... Man gerät schnell in eine Abwärtsspirale - schneller, als man es selbst merkt.

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  2. Hey, ich finde deinen Blog so toll und lese ihn sehr gerne. Außerdem wollte ich mich für die lieben Kommentare bedanken, du hast mir wirklich sehr geholfen :)

    Und ich trinke zwischen 1,5 bis ca. 2 Liter am tag ♡

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  3. huhu :)
    liebsten dank für dein kompliment! ♥ bin strikt gegen diese lebensstile und werde es auch immer bleiben!

    zu der after easter challenge. also ich denke ich werde sie 4 wochen machen. es wird jeden tag, außer sonntags (rest day + cheat day) eine tagesaufgabe geben. z.b. "trinke heute mind. 800 ml wasser und mache 5 sit ups", ich denke nämlich, dass auch pro anas/mias mitmachen werden und da möchte ich dann realistische tagesaufgaben stellen. in der challenge darf jeder teilnehmer so essen wie er es will und so sport machen, wie er es will. es ist kein wettkampf, sondern nur eine spaß challenge :) und: jedem das seine! es kann sein, dass in der ersten woche zum beispiel 2 leute gar nicht abnehmen, bzw. zunehmen und sich dann durch die anderen teilnehmer, die abgenommen haben, motivieren können. am sonntag schreibt mir jeder sein gewicht, dass er morgens auf der waage hatte und ich aktualisiere es auf meinem blog. am ende wird es keinen preis oder ähnliches geben. der einzige preis wird sein, dass man stolz auf sich selber sein kann, egal ob man am meisten an gewicht verloren hat oder nicht ♥

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  4. Hey hey,
    ich bin gerade zufällig über deinen Blog gestoßen und dieser Beitrag ist einfach so verdammt gut! Ich kann dir in allen Punkten einfach nur zustimmen.

    Mir persönlich ging es bis vor einem Jahr noch fast genauso wie du es oben beschreibst - kraftlos, antriebslos und irgendwie ziemlich verzweifel. Man vergleicht sich mit anderen Menschen, die auf den ersten Blick perfekt erscheinen und merkt oftmals nicht, dass sie es eben doch nicht sind. Wir alle haben Fehler und Macken, aber gleichzeitig auch Dinge, die uns ausmachen, die uns einzigartig machen. Die uns zu dem machen, was wir heute sind.
    Und es sind doch wirklich oftmals die scheren Zeiten, die einen Menschen prägen und uns im Leben einen großen Schritt machen lassen.
    Sicherlich sind es keinen schönen Zeiten gewesen - wie kann eine Essstörung, eine Depression und jahrelange Therapie schon schön sein? Ich bin nicht stolz auf meine Vergangenheit, aber all die Erfahrungen bringen uns weiter und stärken uns. Man lernt, mit Rückschlägen umgehen zu können und zufrieden zu sein mit dem was man hat.

    Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für die Zukunft :)
    Liebe Grüße,
    Lisa.

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  5. Das ist ein ziemlich guter Post, finde ich. Auf jeden Fall regt es zum Nachdenken an, danke für diesen Post (:

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  6. Hey Jeanne,

    Ich hoffe, ich bin hier richtig, mit dem Antworten.

    Vielen Dank für deine Glückwünsche.

    Ich versuche generell mich sehr gesund zu ernähren, also zu viel Obst und Gemüse zu greifen und irgendwie auch genug Protein zu bekommen. Bei FAs ist es schwer, nur gesunde Dinge zu essen, da es sonst irgendwie kein FA wäre. Das heißt, ich hatte schon FAs bei denen ich ausschließlich Obst gegessen habe, aber das ist doch eher die Ausnahme.

    „Pro-health“ klingt gut :-) Obwohl ich persönlich pro gar nichts bin finde ich, das ist ein schöner Begriff für einen gesunden Lebensstil.

    Ich wünsche dir alles Liebe und Gute

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